FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Vorträge

"Windkrafträder gefährden Kultur, Umwelt und Wirtschaft"

30.05.2012

Cruz VelasquezEingeladen von Prof. Dr. Cornelia Giebeler und vom AStA der Fachhochschule sprach die mexikanische Wissenschaftlerin und Menschenrechtlerin Lucila Bettina Cruz Velasquez am vergangenen Freitag am Fachbereich Sozialwesen der FH Bielefeld über Menschenrechtsverletzungen infolge des Ausbaus der größten Windparkanlage Lateinamerikas. Der Anlass: Cruz Velasquez schreibt zurzeit in Barcelona an ihrer Dissertation über die Agrarverhältnisse am Isthmus von Tehuantepec in Mexico. Sie kommt zu besorgniserregenden Analysen beim Umgang der Windkraftindustrie mit den Menschenrechten.

Die Region Isthmus von Tehuantepec ist mit rund 200 Kilometern die kürzeste Landverbindung zwischen dem Golf von Mexiko und dem Pazifik. Seit 15 Jahren sind hier Studierende des Fachbereichs Sozialwesen zu Gast, um ihre Auslandspraktika in sozialen und ökologischen Projekten durchzuführen, Abschlussarbeiten vorzubereiten und in Mexiko zu studieren.

Mit umfangreichem Datenmaterial habe Cruz Velasquez die Aufteilung der Region unter den transnationalen Unternehmen und die Zerstörung der einheimischen Ökonomie, Ökologie und Kultur durch den Bau von Tausenden von Windkrafträdern belegt, so Prof. Giebeler. Nach dem Paragrafen169 der Internationalen Arbeitsorganisation hätte die indigene Bevölkerung, also die einheimischen Bauern, die den vorspanischen Mixe, Binizaa, Ikoots, Zoque und Chontales  angehören, befragt werden müssen. Dies sei nicht erfolgt. So werde das Versprechen der "sauberen" Energiegewinnung unter sozialen, kulturellen und ökologischen Gesichtspunkten zur Farce.

In der Region um Juchitán de Zaragoza, dem Zentrum zapotekischer Kultur der Binizaa, der "Blumenstadt", wie sie von den Azteken schon genannt wurde, der "Stadt der Frauen", wie sie durch die Händlerinnen auf dem Markt erscheint, und der Muxe, den zur Kultur untrennbar zugehörigen Homosexuellen, der Stadt der Künstler, und einer Kultur und Ökonomie ausschweifender Feste, sei die bereits jetzt größte Windkraftanlage Lateinamerikas im weiteren Ausbau. Diese jedoch habe ihre dunkle Seite: Eigentlich produziere Mexiko genügend Strom, der Überschuss werde exportiert in den Norden, die einheimische Bevölkerung zahle dennoch immer höhere Strompreise. Das Land für den Bau der Windräder werde der indigenen Bevölkerung enteignet und damit werde ihre Lebensgrundlage zerstört. Viele von ihnen hätten, so Cruz Velasquez, seit Jahren den Widerstand gegen das Großprojekt organisiert.

In ihrem Vortrag erläuterte Cruz Velasquez die Folgen des Großprojekts für die kulturellen Traditionen der Bevölkerung, für die einheimische Tierwelt, die Ökonomie der Selbstversorgung. Sie berichtete auch von der Kriminalisierung derjenigen, die nicht mit dem weiteren Ausbau einverstanden sind. So hätten schon ganze Dörfer die Verträge rückgängig gemacht oder stimmten einem weiteren Ausbau nicht zu. Allerdings sei, da die Investoren nicht aus Mexiko kämen, ein internationales Bewusstsein wichtig, um hier wirksam die Rechte der indigenen Völker auf ihr Territorium und auf ihre Kultur als Menschenrechte umsetzen zu können.

Bericht: Prof. Dr. C. Giebeler