FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Von Bielefeld ins Land der Emotionen: Mexiko

FH-Studentin Susanne Schmidt verbringt ein Jahr an der Universität Guadalajara.

Susanne_SchmidtBielefeld (fhb). "Alles, was man während eines Auslandaufenthalts lernt, ist so beeindruckend und für einen selbst prägend. Solche Erfahrungen kann man sich nicht anlesen." Susanne Schmidt ist glücklich mit der Entscheidung, sich zu einem Jahr Studium im Ausland entschieden zu haben. Dabei hat es die Studentin der Fachhochschule Bielefeld nicht etwa an die bevorzugten "Hot Spots" und Metropolen der Gastländer gezogen, sondern in den Westen Mexikos. Seit fast einem Jahr ist sie bereits an der Universität der 1,6 Millionenstadt Guadalajara und absolviert dort ihr viertes und fünftes Mastersemester der Angewandten Sozialwissenschaften. Ende Januar 2013 geht es wieder zurück nach Deutschland.

Mit der Vorstellung, für eine gewisse Zeit im Ausland zu studieren, hatte sich die 32-jährige bereits länger beschäftigt. Das Interesse für andere Länder und Kulturen war vorhanden, nur die zündende Idee, welches Land es wirklich werden sollte, fehlte noch. "Letztendlich haben mich die Seminare meiner Professorin Dr. Cornelia Giebeler dazu inspiriert, einmal über Mexiko nachzudenken", erzählt Susanne Schmidt. Eines von Giebelers primären Forschungsfeldern betrifft die "Lebenswelten in Lateinamerika". Sie betreibt zu diesem Thema regelmäßig Feldforschung mit Studierenden in Organisationen der Sozialen Arbeit und Pädagogik in ethnisch heterogenen Regionen Lateinamerikas und ist auch durch Vortrags- und Kooperationsreisen mit dieser Region sehr vertraut.

In einem Gespräch mit Professorin Giebeler fiel die Entscheidung dann schließlich auf Mexiko und Guadalajara. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Kooperation zwischen der Universität in Guadalajara und der FH Bielefeld bestand, wurde der Kontakt hauptsächlich durch Professorin Giebeler und Diana Fulger, Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaften Universität Bielefeld, geknüpft. Erschwerend kam hinzu, dass Susanne Schmidt mit Überschreiten der Altersgrenze von 30 Jahren keine finanzielle Unterstützung durch ein Auslandsstipendium in Anspruch nehmen konnte. Also startete sie ihre Vorbereitungen für Mexiko mit Hilfe des Auslands-BAföGs und eigener Mitteln. "Vor dem Auslandsjahr habe ich noch einen Sprachkurs an der Uni Bielefeld gemacht, weil das die Voraussetzung zur Aufnahme an der Uni war", sagt Schmidt.

Im Januar ging es dann endlich los: Ein Jahr leben und studieren in Mexiko. Neben den anderen Lebens- und Klimaverhältnissen sei für sie das extrem verschulte Hochschulsystem zu Beginn doch sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Der erste Unterricht beginnt nicht selten um sieben Uhr und endet oft nicht vor 20 Uhr. Nach Schmidts Einschätzung stehen die Studierenden in Guadalajara unter mehr Leistungsdruck als in Deutschland. "Mir ist positiv aufgefallen, dass die Studierenden trotz des erheblichen Studienaufwands sehr stolz darauf sind, überhaupt studieren zu dürfen", berichtet Schmidt. Selten bis gar nicht habe sie erlebt, dass jemand unglücklich, unzufrieden oder überfordert mit dem Arbeitsaufwand gewesen sei.

Mittlerweile bezeichnet Susanne Schmidt Mexiko als ihre zweite Heimat. In ihrem Studiengang Angewandte Sozialwissenschaften bietet auch die mexikanische Uni ein breites Angebot für Studierende im Masterprogramm. In ihrem ersten Semester hat sie außerdem an mehreren Kursen im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit teilgenommen. "Nicht nur, um die Sprache schneller zu lernen, sonder auch, um Kontakte zu knüpfen", erklärt sie ihre Entscheidung. Die Kurse, die sie im Master absolviert hat, werden auch in Bielefeld angerechnet.  Jetzt, im zweiten Semester, besucht sie Veranstaltungen von Gastprofessoren und hat an der Tagung der IAS (International Association of Inter-American Studies) teilgenommen, auf der auch ihre Professorin Giebeler sowie Dozenten der Uni Bielefeld vertreten waren.  

Ab und zu arbeitet Susanne Schmidt als Handballtrainerin für Kinder und junge Erwachsene. Das große Interesse und die Begeisterung der Jugendlichen an diesem in Mexiko noch recht unbekannten Sport habe sie noch sehr viel mehr über die Mexikaner und ihr Leben lernen lassen. "Mexikanische Kinder haben erheblich weniger Möglichkeiten, an den Sportklassen teilzunehmen. Bekommen sie aber diese Chance, setzen sie sich mit vollem Herzen ein, sind hilfsbereit und sehr rücksichtsvoll im Umgang miteinander", sagt Schmidt. Auch nach knapp einem Jahr gibt es für sie immer wieder neue Dinge zu entdecken, und die Gastfreundschaft empfindet sie als einzigartig auf der Welt: "Fremden begegnen die Mexikaner freundlich, respektvoll und neugierig. Ich würde Mexiko als das Land der Emotionen beschreiben, was mich sehr beeindruckt."

Nachdem das Auslandsjahr für Susanne Schmidt schon fast vorbei ist, kann sie diesen Exkurs jedem Studierenden nur empfehlen. "Gerade in meinem Studiengang ist es sehr wichtig, auch andere Länder und Kulturen kennenzulernen - einmal über den 'Tellerrand' hinauszuschauen," lautet ihr Fazit. Ihr habe der Perspektivwechsel für viele Dinge die Augen geöffnet und sie beruflich wie persönlich weitergebracht. Ende Januar 2013 wird sie also wieder nach Deutschland zurückkehren und weiß natürlich jetzt schon, dass sie Mexiko sehr vermissen wird. Dafür ist die Vorfreude auf die alte Heimat aber auch da: etwas mehr Ordnung und ein wenig mehr von der guten alten deutschen Pünktlichkeit.