FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
22.01.2021

Praktikum trotz Corona

Messtechnik in der Praxis: Angehende Ingenieure vom Campus Minden der FH Bielefeld verwandeln ihr Zuhause in ein Labor.

Zwei Männer stehen sich an einem Fenster gegenüber und unterhalten sich.

Minden (fhb). Schlange stehen mit Abstand – das ist insbesondere in den Innenstädten Deutschlands aktuell kein seltenes Bild. Aber auch am Campus Minden der Fachhochschule (FH) Bielefeld bildeten sich jüngst trotz des coronabedingten Online-Semesters Schlangen, denn es gab neueste Technik. Diese ist allerdings nicht für das heimische Vergnügen gedacht, sondern Teil des Online-Messtechnikpraktikums, das Prof. Dr. Volker Becker am Fachbereich Campus Minden anbietet. Früher traf er sich dafür mit den Studierenden der praxisintegrierten Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen im Labor. Seit diesem Wintersemester kommen sie aber über Zoom zusammen. „Als wir in das digitale Semester gestartet sind, war zunächst gar nicht an Praktika zu denken. Ich wollte es den Studierenden aber auf jeden Fall wieder ermöglichen“, sagt Becker.

Klein und unscheinbar kommt die Dose daher, die an diesem Tag an die Studierenden verteilt wird. Darin steckt aber feinste Technik, die das Zuhause der Studierenden im Handumdrehen in eine Wetterstation im Miniaturformat verwandelt. „In der Dose befindet sich ein WLAN-fähiger Microcontroller und ein Sensor, mit dem man Temperatur und Feuchtigkeit messen kann“, erklärt Becker.

Open-Source-Software für Microcontroller

Nachdem die Studierenden ihre Schachtel zuhause ausgepackt haben, müssen sie zunächst den Sensor mithilfe des Microcontrollers „smart” machen und mit einer Software verbinden, welche die Messwerte auf dem Computer anzeigt. „Dabei verwenden wir eine Open-Source-Software mit einem Standard-Protokoll, welches auch in vielen Industrieunternehmen für die Messtechnik genutzt wird“, sagt Becker. Über ein gewöhnliches Handyladekabel kann dann der Sensor in eine beliebige Steckdose im Haus gesteckt werden, und schon erhalten die Studierenden die ersten Daten.

Eine Frau mit Maske steht einem Mann an einem Tresen gegenüber.

Sensor-Daten in der Cloud

Das Konzept des Praktikums geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die Studierenden können ihren smarten Sensor mit einer Cloud verbinden und sehen so auch die Daten aus den Wohnzimmern ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen“, erläutert Becker. Die einzelnen Sensoren werden dabei anonymisiert auf einem Dashboard dargestellt, auf das die Studierenden über einen Link zugreifen. „Einige der Studierenden hatten ihren Sensor beispielsweise draußen platziert. Da hatte ich mich zunächst gewundert, warum es bei ihnen so kalt ist“, berichtet der Professor. Aber auch karibische Temperaturen vom 29,2 Grad wurden bei einem der Sensoren gemessen. Manche scheinen es zuhause kuschelig warm zu mögen.

Auf einer Platine wird gelötet.

Von den Studierenden gab es positives Feedback und neue Anregungen. Becker: „Sie waren sehr froh, das erste Mal in dieser Corona-Zeit ein praktisches Projekt angehen zu können – das war ja leider in letzter Zeit nicht mehr möglich.“ Einer der Studierenden will den Sensor nach Beendigung des Praktikums sogar übernehmen, um noch weiter experimentieren zu können.

Nach diesen positiven Erfahrungen möchte Volker Becker diese Form des Online-Praktikums auch nach der Corona-Pandemie weiter anbieten: „Das cloudbasierte Sammeln und Auswerten von Daten, der Fokus aufs Digitale – all das ist zeitgemäß. Deswegen werde ich das Format auch dann anbieten, wenn die Studierenden und ich uns hoffentlich bald wieder vor Ort sehen können.“ (bes)