FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
18.10.2019

Palästinenserin zu Gast in Minden

Ethar Aqel forscht derzeit am Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld zum Thema Abfallwirtschaft

Eine Frau sitzt in einem Hörsaal

Minden (fhb). Ihren Masterabschluss hat sie bereits in der Tasche: Nun nutzt die Palästinenserin Ethar Aqel ihren Aufenthalt an der Fachhochschule (FH) Bielefeld, um einen ersten Einblick in ein mögliches Promotionsthema zu bekommen. Gemeinsam mit ihrem Betreuer Prof. Dr. Johannes Weinig wird sie am Campus Minden drei Monate lang zum Thema Abfallwirtschaft forschen. Und das ganz praxisnah: Neben der Beteiligung an einer Konferenz arbeitet sie auch eng mit einem lokalen Entsorgungszentrum zusammen.

Ethar Aqel studierte Bauingenieurwesen an der An-Najah National University in Nablus und schloss dort dieses Jahr ihr Masterstudium mit dem Schwerpunkt „Highway and Transportation“ ab. Für ihren Forschungsaufenthalt hat sie sich ganz bewusst für die FH Bielefeld entschieden: „In den vergangenen Jahren waren bereits Freunde von mir an der FH Bielefeld und hatten eine tolle Zeit hier. Zudem hat mich die Projektbeschreibung von Prof. Weinig direkt angesprochen“, so Aqel, die bereits während ihres Studiums im Unternehmen ihrer Familie arbeitete.

„Gerade ist alles noch sehr neu und anders für mich, aber ich freue mich auf die Zeit hier“, erklärt sie. Um den internationalen Studierenden der FH Bielefeld das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, organisiert das International Office jedes Semester die sogenannten Freshers’ Weeks. „In den Einführungswochen zeigen wir den Studierenden nicht nur den Campus und die Stadt. Sie bekommen auch ein interkulturelles Training, einen ersten Deutschkurs und Hilfe bei Formalitäten und Behördengängen“, erklärt Hannah Möhring, Mitarbeiterin im International Office und Koordinatorin der Einführungswochen. Aqel weiß das Angebot zu schätzen: "Ich kann mich bereits auf Deutsch vorstellen und kurze Sätze sagen. Ich finde das für den Anfang schon sehr gut", sagt sie lachend.

Der Aufenthalt von Aqel wird durch ein Stipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW (MKW NRW) im Rahmen des NRW-Nahost-Förderprogramms finanziert. Das Programm kooperiert mit Israel, den palästinensischen Gebieten und Jordanien. Die Kurzzeitstipendien laufen über drei Monate und zielen auf die Stärkung der bilateralen Beziehungen zu den Ländern ab. Einmal im Jahr rufen die teilnehmenden Hochschulen Professorinnen und Professoren dazu auf, Projekte auszuschreiben. Erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber können so bis zu drei Monate lang Forschungsarbeiten an der FH Bielefeld unter Leitung der Professorin bzw. des Professors durchführen. „Die Bewerbung für das Stipendium war sehr aufwändig. Neben Zeugnistranskripten und meinem Lebenslauf musste ich unter anderem auch ein Motivationsschreiben einreichen. Umso mehr freue ich mich, dass alles geklappt hat“, so Aqel.

Am Campus Minden wird sie von Prof. Johannes Weinig betreut. Der Professor für Wasser- und Abfallwirtschaft hat bereits mit vielen internationalen Studierenden zusammengearbeitet und weiß um die Vorteile für beide Seiten: „Kooperationen und Austauschprogramme dieser Art sind wichtig, um unser internationales Fenster weiter zu öffnen.“ Dies wird auch in dem Forschungsvorhaben rund um das Thema Abfallwirtschaft deutlich: In einem ersten Schritt wird Ethar Aqel die Situation in Deutschland untersuchen. „Hierfür arbeiten wir eng mit dem Entsorgungszentrum Pohlsche Heide in Hille zusammen“, erklärt Weinig. In einem zweiten Schritt sollen die Ergebnisse für Palästina angepasst und anschließend verglichen werden.

Besonders viel Wert legt Weinig darauf, dass  die Studierenden vor Ort ganz praxisnahe Einblicke in die Arbeit bekommen und eingebunden werden. Im Rahmen ihrer Forschung wird Ethar Aqel so unter anderem auch an der Konferenz „Forum Abfall: Eine Welt Internationale Technik Partnerschaft Ostafrika“ am 5. November auf dem Campus Minden teilnehmen und erste Forschungsergebnisse präsentieren. Neben neuen Einblicken in das Forschungsthema verspricht sich Aqel aber auch persönliche Erfahrungen von ihrem Aufenthalt in Minden: „Ich möchte meinen Blickwinkel weiten und verstehen, wie das Leben und Arbeiten in anderen Ländern aussieht.“ Und sie schließt nicht aus, nach den drei Monaten für ihre Promotion an die FH Bielefeld zurückzukehren.

Ethar Aqel ist eine von insgesamt 76 Austauschstudierenden, die in diesem Wintersemester an der FH Bielefeld studieren, darunter 17 Studierende, die bereits im letzten Semester an der FH Bielefeld eingeschrieben waren und ihr Studium verlängert haben. Die Studierenden kommen aus Albanien, China, Finnland, Frankreich, Italien, Jordanien, Kanada, Mexiko, Niederlanden, Polen, Portugal, Russland, Serbien, Südkorea, Tschechische Republik sowie der Türkei. (she)