FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
22.10.2019

NRW fördert Kompetenzzentrum für Data Science am Campus Gütersloh

Rund zwei Millionen für neues Forschungszentrum – Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl überreicht Zuwendungsbescheid am Campus Gütersloh

Gruppenaufnahme

Bielefeld (fhb). Bereits seit zwei Jahren unterstützt das „Center for Applied Science Gütersloh“ (CfADS) als Kompetenzzentrum für Data Science Unternehmen und Einrichtungen in der Region bei der Digitalisierung. Zum weiteren Ausbau des CfADS übergab Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl am Montag, 21. Oktober 2019, dem Forschungszentrum der Fachhochschule Bielefeld sowie den beteiligten Unternehmenspartnern MIT Moderne Industrietechnik, Bio-Circle Surface Technology sowie PerFact Innovation die Zuwendungsbescheide über insgesamt zwei Millionen Euro aus dem NRW-EFRE Förderwettbewerb „Forschungsinfrastrukturen“. Dank der Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes NRW ist es den Wissenschaftlern am Campus Gütersloh nun möglich, das CfADS um ein Smart Service Lab zu ergänzen und zu einem vollumfänglichen Forschungszentrum mit dem zusätzlichen Schwerpunkt „humanzentrierte Smart Services“ auszubauen.
Das Zentrum forscht an Themen der Digitalisierung industrieller Produktionssysteme: Welches Potential steckt in der Digitalisierung von Anlagen, Maschinen und Prozessen? Welche Dienstleistungen und Geschäftsmodelle können aus Daten abgeleitet werden und welche Infrastruktur benötigen Unternehmen, um Daten zielgerichtet auswerten zu können, damit ein Benefit erzielt werden kann? Nicht zuletzt geht es dabei auch um Kosteneinsparung durch datengetriebene Optimierung sowie um die Vorteile der Vernetzung von Mitarbeitern, (Hand-)Arbeitsplätzen, Anlagen, Gütern und mobilen Maschinen. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen der Region Gütersloh will das CfADS dabei unterstützen, die Eintrittsschwellen zu den digitalen Herausforderungen industrieller Fertigung zu senken.

„Fachhochschule, mittelständische Unternehmen und Großunternehmen entwickeln gemeinsam Dienstleistungen und Assistenzsysteme, um Arbeitsplätze unter dem Oberbegriff Industrie 4.0 besser zu gestalten“ sagte Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. „Die jeweiligen Stärken von Menschen und Maschinen sollen sich unter künftigen Produktionsbedingungen noch effektiver ergänzen. Das Zusammenwirken der Beteiligten in diesem neuen Forschungsschwerpunkt ist ein schönes Beispiel für Ostwestfalen-Lippes erfolgreiche Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Die Ergebnisse dieser Forschung werden auf viele Arbeitsplätze übertragbar sein. Damit wird der Wirtschafts- und Hochschulstandort Ostwestfalen-Lippe weiter gestärkt.“
Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Präsidentin der FH Bielefeld ergänzte: „Die Entwicklung des CfADS in den vergangenen Jahren ist eine echte Erfolgsgeschichte exzellenter Forschung in einer immer stärker digitalisierten Umwelt. Die FH Bielefeld versteht sich als Partner für die Innovationsentwicklung und Wett-bewerbsfähigkeit von Unternehmen und natürlich als Mitgestalter der Arbeitsplätze der Zukunft.“
Das CfADS unterstützt Unternehmen und Einrichtungen bei der Digitalisierung und Vernetzung und entwickelt auf Basis von innovativen Verfahren der Datenanalyse und Prognose neue Geschäftsmodelle bzw. optimiert bestehende Prozesse, die die Exzellenz und Zukunftsfähigkeit sowie die Marktposition von Unternehmen in der Region Gütersloh und überregional festigen. Die Innovation besteht in den vom CfADS entwickelten Methoden und Algorithmen, die Unternehmen in die Lage versetzen, aus dem Rohstoff „Daten“ Alleinstellungsmerkmale zu erzeugen.
Eine neue Stufe wird durch das Smart Service Lab erreicht, sodass die gesamte Forschungsinfrastruktur des CfADS zu einer Industrial-IoT-und-Service-Plattform ausgebaut wird. Prof. Dr. Pascal Reusch erläutert: „Mit den Fördermitteln können wir in Gütersloh eine Plattform aufbauen, welche es uns ermöglicht, sämtliche Aspekte der industriellen Produktion von Morgen praktisch zu erforschen. Dabei steht in unseren aktuellen Projekten insbesondere die Unterstützung der Menschen am industriellen Arbeitsplatz im Vordergrund und die Möglichkeiten, diese aus der digitalen Welt heraus zu unterstützen. Die Problemstellungen, die wir dabei betrachten, sind für die Praxis von entscheidender Bedeutung und wurden zusammen mit unseren Unternehmenspartnern definiert.“
Für die Unternehmen stehen in der Organisationsstruktur des CfADS zahlreiche Beteiligungsmöglichkeiten zur Verfügung, sodass ein zielgerichteter Wissens- und Technologietransfer stattfinden kann. Innovative Produkte und Dienstleistungen bereichern die gesamte Wertschöpfungskette und entfalten einen Mehrwert für die lokale Wirtschaft. Dadurch können auch neue Märkte erschlossen und Arbeitsplätze geschaffen werden.
Mit den Partnern werden Workflows erstellt und Algorithmen auf dem CfADS-eigenen Data Analytics Cluster und der Industrial-IoT-Plattform entwickelt. So wird in einem Teilvorhaben zusammen mit der Firma Bio-Circle aus Gütersloh ein Service entwickelt, der Daten aus unterschiedlichsten Quellen zu aussagefähigen Nachfrageprognosen verdichtet. Anne-Katrin Schürer, Prokuristin der Bio-Circle Surface Technology GmbH: „Nach erfolgreichem Abschluss des gemeinsamen Projektes mit dem CfADS werden wir wesentlich zielgerichteter und fokussierter unsere Kunden mit unseren Leistungen unterstützen können. Die Zusammenarbeit bringt für uns als Mittelständler enorme Weiterentwicklungen hinsichtlich der Digitalisierung unserer Produkte und Dienstleistungen, die wir alleine nur schwer so schnell umsetzen könnten. Wir erhoffen uns dadurch Wettbewerbsvorteile und somit auch eine Stärkung unseres Unternehmensstandortes in Gütersloh.“
In einem anderen Teilvorhaben mit der Firma MIT Moderne Industrietechnik GmbH & Co KG aus Vlotho wird erprobt, wie Echtzeitdaten aus der Fertigung in die Produktions- und Reihenfolgeplanung einfließen können, um Fertigungsprozesse besser aufeinander abzustimmen und so Unwirtschaftlichkeit zu vermeiden. Hans-Dieter Tenhaef, Geschäftsführer MIT: „Für uns als kleines mittelständisches Unternehmen bedeutet die Kooperation mit der FH Bielefeld Zukunftssicherung! Das Forschungsthema und die Unterstützung durch Forschungsmittel macht es möglich, dass wir uns mit unseren Ideen einbringen und mitgestalten dürfen!"
Ziel dieses Projektes ist es auch, bestehende Softwaretools zu analysieren und deren Weiterentwicklung anzustoßen. Dafür konnte die Firma PerFact aus Herford als Projektpartner gewonnen werden, die Softwarelösungen zur Produktions- und Logistiksteuerung anbietet. Dr. Robert Rae, Geschäftsführer der PerFact Innovation GmbH & Co. KG: „Die Weiterentwicklung der Digitalisierung, Vernetzung und Datenanalyse für einen zielgerichteten Wissens- und Technologietransfer bietet enorme Chancen. Gerade wir Mittelständler in der Region können unsere Marktposition dadurch stärken und überregional ausbauen. Dafür benötigen wir qualifizierte Fachkräfte, die wir gerne in ihrer Ausbildung begleiten.“

In einem weiteren Projekt wird zusammen mit der Firma Miele & Cie. KG ein Werkerassistenzsystem für die Qualitätsprognose in der industriellen Fertigung entwickelt. Dr. Armin Peter, Leiter der Gießerei und Spanabhebenden Fertigung bei Miele & Cie. KG: „Mit dem Smart Service Lab der FH Bielefeld bieten sich uns Möglichkeiten, gemeinsam neue Technologien und Methoden zu erforschen und in den industriellen Einsatz zu überführen. Smart Services stellen einen elementaren Bestandteil einer Industrie-4.0-Produktion dar, mit denen wir der steigenden Komplexität unserer Fertigungsprozesse begegnen und unsere Mitarbeiter entlasten können. Durch die Kooperation mit dem CfADS können wir zukunftsorientierte Themen in einer Tiefe bearbeiten, wie dies im operativen Tagesgeschäft nur schwer realisierbar wäre.“
Neben der Zusammenarbeit der Fachhochschule Bielefeld mit wissenschaftlichen Partnern steht die studentische Ausbildung im Vordergrund. Bereits jetzt engagieren sich die Projektpartner Miele, die Firma Bio-Circle, die Firma MIT und die Firma PerFact für den Campus Gütersloh und beschäftigen zahlreiche Studierende in praxisintegrierten Studiengängen. Prof. Dr. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) der FH Bielefeld: „Die Ausbildung des eigenen wissenschaftlichen Nachwuchses im Forschungsmaster Data Science sowie durch kooperative Promotionen ist für das Forschungszentrum eine tragende Säule.“
Das CfADS wurde im Jahr 2017 von den Professoren Pascal Reusch, Martin Kohlhase und Wolfram Schenck gegründet und wird seit Beginn im Rahmen des Wettbewerbs „Forschungsinfrastrukturen“ mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes NRW gefördert. Mit dem Wettbewerb „Forschungsinfrastrukturen NRW“ will die Landesregierung und die EU die Innovationskraft der Wirtschaft stärken und fördert dazu Vorhaben zum Auf- und Ausbau von Forschungseinrichtungen und Kompetenzzentren. In der fünften Wettbewerbsrunde wurde das „Center for Applied Data Science“ mit dem „humanzentrierten Smart Service Lab“ erneut ausgewählt – neben weiteren vier Projekten aus 24 Bewerbungen. (chk)