FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Intelligente Gebäude: Technologien - Akzeptanz - Forschung

Neue Technologien akzeptieren

 

18.10.2013

3. Symposium Intelligente Gebäudetechnologien auf dem Campus Minden

3. Symposium 20133. Symposium Intelligente GebäudetechnologienMinden (fhb). Das 3. Symposium Intelligente Gebäudetechnologien am 17. Oktober auf dem Campus Minden der Fachhochschule (FH) Bielefeld bot vielseitige Einblicke in Technologien, Akzeptanz und Forschung intelligenter Gebäudetechnologien.

Rund 200 Teilnehmer aus Hochschulen, Kommunen und Unternehmen kamen zum Campus Minden. Veranstalter war das Entwicklungszentrum für Intelligente Gebäudetechnologien am Campus Minden, kurz "InteG e.V.". Der Verein will die bestehenden Kompetenzen innerhalb der kompletten Wertschöpfungskette fördern, so dass die Unternehmen in der Region die Potenziale des zukunftsträchtigen Gebäudetechnikmarkts noch besser erschließen können.

Statt der gewohnten Grußworte ging es mit einem moderierten Begrüßungsgespräch los: Professor Dr.-Ing. Oliver Wetter (1. Vorsitzender InteG e.V.), Professorin Dr. Beate Rennen-Allhoff (Präsidentin der FH Bielefeld), Dr. Ralf Niermann (Landrat des Kreises Minden-Lübbecke) und Klaus Meyer (Geschäftsführer von Energie Impuls OWL e.V.) erläuterten die Chancen und Möglichkeiten intelligenter Gebäudetechnologien als profilbildendes Thema für die Region. Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff: "Wir haben hier am Campus eine nahezu einzigartige Konstellation von Studiengängen im Bauwesen, klassischen Ingenieursstudiengängen und dem Modellstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege. Das sind ideale Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit in Lehre und Forschung zum Thema Intelligente Gebäudetechnologien." Die Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) biete zudem gute Voraussetzungen für das Thema, wie Klaus Meyer feststellte: "OWL ist eine Region der Netzwerke. Der Spitzencluster Intelligente Technische Systeme "it´s OWL" bietet zusätzlich eine perfekte Kulisse für die transdisziplinäre Zusammenarbeit."

3. Symposium Intelligente Gebäudetechnologien, Prof. HenningIm Impulsvortrag von Professor Dr.-Ing. Klaus Henning von der Rheinisch-Westfälischen-Technischen Hochschule Aachen ging es um zukünftige Exportchancen für Deutschland. Megatrends wie der demografische Wandel und die Digitalisierung der Gesellschaft führten unter anderem dazu, dass "das Internet der Dinge in alle Alltagsgegenstände massiv eindringen wird", so Henning. Langfristig werde es auch in der Gebäudetechnologie nur noch softwareintensive Produkte und Systeme geben. Damit sei beispielsweise die Patientenüberwachung im Privathaus möglich. Bei der Entwicklung solcher Produkte steige allerdings die Komplexität. "Die Hersteller müssen von Komponentenlieferanten zu Systemlieferanten werden", stellt Henning fest. Das erfordere einen Paradigmenwechsel, den er anhand des so genannten Agilen Manifests erläuterte. Professor Henning gab einem Tipp für die Region: "Werden Sie großprojektfähig in Intelligenten Systemen!"

Professor Dr. Dominic Becking und Prof. Dr.-Ing. Martin Hoffmann vom Fachbereich Technik der FH Bielefeld stellten die Entwicklung der Forschung am Campus Minden vor. Neun Professoren aus ganz verschiedenen Fachgebieten, vom Bauwesen über Wirtschaftspsychologie bis zur Elektrotechnik und Informatik, haben sich hier zusammengetan, um gemeinsam am Forschungsprojekt "Gebäudetechnologien unter einem Dach" zu arbeiten. "Die Nutzer sollen sich in einem energieeffizienten Gebäude wohl und sicher fühlen", formulierte Professor Hoffmann das Ziel des Projekts. Im Einzelnen soll es um Sicherheit, Gebäudeumbau und Bestandsschutz, Wohlergehen und Technologieakzeptanz in Gebäuden sowie um Ressourceneffizienz durch Optimierung von Erdwärmesonden gehen.

Oliver Gubela vom Amt für Wirtschaftsförderung des Mühlenkreises sprach über die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Kommunen in Entwicklungspartnerschaften: "Der Transfer ist der Kernbereich des Vereins InteG e.V.". Für 2014 sind bereits Seminare und Exkursionen in Planung, zum Beispiel zu Integraler Planung."

Marius Hartel, geschäftsführender Gesellschafter der GA Ingenieurgesellschaft und Experte für Gebäudeautomation, stellte die nutzerorientierte Integrale Planung der Gebäudeautomation am Beispiel der Sanierung des Frankfurter Flughafens vor. Hartel ist auch an der Planung des Neubaus auf dem Campus Minden beteiligt.

Achim Zerbst sprach in seinem Referat über die Umsetzung und Akzeptanz von Gebäudeintelligenz in der Praxis bei WAGO Kontakttechnik, wo er im Gebäudemanagement tätig ist. WAGO hat in den letzten Jahren einige Neubauten in Betrieb genommen, die mit Gebäudeautomation ausgestattet sind. "Wichtig ist, die Nutzer rechtzeitig über den Umgang mit der neuen Technik zu informieren", so Zerbst.

Wirtschaftspsychologie-Professorin Dr. Sybille Reichart von der FH Bielefeld präsentierte Einbindungskonzepte für die Praxis. Die meisten Nutzer, zum Beispiel Mitarbeiter in einem Bürogebäude, seien Laien, was die Gebäudetechnik angeht. "Idealerweise sollte man die Nutzer bereits bei der Planung, beim Bau und im Betrieb des Gebäudes einbinden". Wenn beispielsweise etwas vermeintlich Banales wie ein Lichtschalter, der in einem intelligenten Gebäude zahlreiche Funktionen hat und nicht nur als Ein- und Ausschalter dient, von den Nutzern getestet wird, bevor er eingebaut wird, könne der Bauherr letztlich viel Zeit und Geld sparen.

Zum Thema "Intelligente Gebäude planen und errichten" stellte Professor Dr.-Ing. Uwe Weitkemper vom Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen vor, wie Brandschutz im Bestand als integrale Planungsaufgabe angegangen werden kann. Intelligente Gebäudetechnologien können seiner Meinung nach einen wichtigen Beitrag zum Brandschutz im Bestand liefern. Sie ermöglichen die punktgenaue Reaktion eines Gebäudes, und sie eröffnen Anpassungsmöglichkeiten für eine flexible Nutzung von Gebäuden.

Elisa Majewski vom Zentralverband des Deutschen Handwerks berichtete abschließend über den Qualifizierungsfahrplan "Build up Skills" für die am Bau beschäftigten Handwerker. Aus einer Bestandsaufnahme gehe hervor, dass es regionale und berufsspezifische Engpässe geben werde und dass die notwendigen Qualifikationsbündel über das aktuelle Aus- und Weiterbildungssystem insgesamt bereits verankert seien. Dennoch sollten die einzelnen Gewerke viel mehr "das Haus als System" sehen.