FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
18.07.2018

Didaktische Anregungen in Lounge-Atmosphäre: die Vortragsreihe „Didaktik-Lounge“

Drei spannende Veranstaltungen wurden im Sommersemester in der Media-Lounge im Lernzentrum der FH gemeinsam ausgerichtet.

OvS-Vortrag

Unter welchen Bedingungen gelingen Lernen und Lehren in der Hochschule? Diese Frage ist nicht nur für die Didaktik-Forschung der Arbeitsgruppe „Werkstatt Lernen und Lehre“ relevant, die am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik verortet ist. Sie ist auch für die Hochschulbibliothek der Fachhochschule interessant, die ein wichtiger Akteur beim Schaffen guter Lehr- und Lern-Bedingungen ist.

Es liegt daher nahe, dass sich für die Organisation einer Vortragsreihe zu diesem Thema die Arbeitsgruppe und die Hochschulbibliothek zu einer Kooperation finden. Die Vortragsreihe „Didaktik-Lounge“ dieses Sommersemesters ist aus dieser hervorgegangen. Drei spannende Veranstaltungen wurden in der Media-Lounge im Lernzentrum der FH gemeinsam ausgerichtet. Zu dem Erfolg der Reihe trugen die Vorträge der Referentinnen und Referenten ebenso viel bei wie die zahlreichen Diskussionsbeiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Nach einem Grußwort des Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Professor Schäfermeier, wurde die Vortragsreihe mit einem Beitrag von Martin Schmidt eröffnet, der an der Hochschule Hannover das Projekt „MyStudy-Beratung“ leitet. Ihm ging es in seinem Beitrag um die Heterogenität der Studierendenschaft und deren Folgen für das Lernen und Lehren. „Je nachdem, aus welchem sozialen Milieu sie stammen, sind für viele Studierende, die neu an die Hochschule kommen, Regelungen oder Verhaltensweisen der Hochschulangehörigen erst einmal undurchschaubar“, erläuterte Schmidt. „Gerade für diese Studierenden ist es wichtig, eine transparente, verlässliche und nachvollziehbare Lehr-Lern-Kultur zu gestalten.“ Je nach Milieu seien auch die Hürden, um Beratungs- und Unterstützungsangebote anzunehmen, für Studierende mitunter groß. Die Erwartungen, die Studierende an die Lehrpersonen mitbrächten, variierten ebenfalls. Als Möglichkeit zur Vermittlung zwischen den Studierenden und Lehrenden mit ihren jeweils unterschiedlichen Erwartungshaltungen stellte Schmidt das Konzept einer habitussensiblen Beratung vor, die mit den jeweils passenden Beratungsmethoden vertraut ist.

Der zweite Beitrag im Rahmen der Vortragsreihe stammte von Dr. Carola Grunschel, die in der Abteilung für Psychologie der Universität Bielefeld lehrt und forscht. Sie befasste sich mit dem Thema der Motivation und Prokrastination im Studium: „Beides hängt eng zusammen“, führte Dr. Grunschel aus, „eine Förderung der Motivation kann die Reduzierung der Prokrastination zur Folge haben.“ Im ersten Teil des Vortrags ermöglichte sie den Anwesenden einen Blick in ihre aktuelle Forschung, bei der sie unter anderem per Smartphone-App versucht, Aufschlüsse über das Prokrastinationsverhalten von Studierenden in Prüfungsphasen zu erhalten. Ihrer Einschätzung nach steige der Anteil der Studiumstätigkeiten bei Näherrücken der Klausuren leicht an. Bis zu 20% der geplanten Aufgaben werden dennoch auch in der Prü-fungsphase von den Studierenden aufgeschoben. Den anwesenden Lehrenden zeigte Frau Grunschel danach auf, wie sie die Studierenden dabei unterstützen können, die Motivation im Studium aufrecht zu erhalten und damit Prokrastinationsverhalten zu verhindern: Es gelte, die Wahrnehmung der eigenen Kompetenz zu fördern und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Zudem könne die Bedeutsamkeit des Lerngegenstands betont und die soziale Eingebundenheit der Studierenden beim Lernen unterstützt werden – letzteres etwa durch Gruppenarbeiten oder durch ein partnerschaftliches Lehrverhalten. „Auch beim Thema Zeitmanagement oder Verhinderung von Ablenkung kann man die Studierenden unterstützen“, schloss Grunschel ihre Anregungen ab.

Im dritten Beitrag zur Didaktik-Lounge sprach Prof. Dr. Ingrid Scharlau über wirksame Schreib- und Leseaufgaben für Studierende. Frau Scharlau ist Professorin im Bereich der Kognitionspsychologie und leitet das Kompetenzzentrum Schreiben an der Universität Paderborn. „Wissenschaftlich schreiben ist ein lebenslanger Prozess der Expertisierung“, betonte sie, „und nicht allein das Schreiben will erlernt sein – das Lesen gehört untrennbar dazu.“ Frau Scharlau stellte den Anwesenden das von ihr so benannte „Hades“-Modell vor, das bei der Erstellung von Lese- und Schreibaufgaben als Basis dienen kann. Die fünf Buchstaben des Modellnamens „Hades“ stehen für fünf grundsätzliche philosophische Denkrichtungen und gleichzeitig für fünf grundlegende Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens. Wie auf Basis des Modells Schreibaufgaben gewonnen werden können, führte sie dem Publikum anschaulich mit Beispielen aus ihrer Lehrpraxis vor. Sie hob abschließend zwei Aspekte der Schreibaufgaben hervor: zum einen, dass dem wissenschaftlichen Schreiben auch viele implizite Regeln zugrunde liegen, die es gelte, explizit zu machen, und zum zweiten, dass jeder wissenschaftliche Text auch kritisch betrachtet werden sollte.

Ein vierter geplanter Vortrag, der das Lernen in den MINT-Fächern in den Blick nehmen wollte, musste leider entfallen.

. (kr)