FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Erfolgreiche Karrieren - Klaus Meyer

Seit fünf Jahrzehnten wirken in Bielefeld ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure als Motor der Wirtschaft in Stadt und Land und arbeiten in der ganzen Welt. Aus der einstigen Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen ist inzwischen der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik an der Fachhochschule Bielefeld gewachsen, die Ingenieurausbildung wurde um Forschung und Transfer erweitert. In einer Serie stellen wir beispielhafte Wege von Absolventinnen und Absolventen vor.

Ein Impulsgeber und Überzeugungstäter

Diplom-Ingenieur Klaus Meyer - Geschäftsführer und 1. Vorsitzender, Netzwerk Energie Impuls OWL, Bielefeld
Der Knirps war glücklich und stolz, der Vater tobte, die Mutter sagte vorsichtshalber nichts, und die Schwester bewunderte schweigend den Mut des großen Bruders. Dicke Luft im Hause Meyer: Da kommt dieser Bengel doch tatsächlich mit einem alten, kaputten Motorrad nach Hause! Zwölf Jahre alt und selbst kaum größer als dieses unmögliche Etwas, das er nicht einmal alleine schieben konnte. Im Woodstock-Jahr 1969 erfüllte der kleine Klaus Meyer in Herford sich einen Traum. Zusammen mit seinen Freunden tauschte er beim örtlichen Schrotthändler einen Eimer Farbe aus Vaters Garage gegen einen vergammelten Feuerstuhl ein. "Es war eine Horex Regina 350", erinnert sich Meyer. Dass dieses deutsche Wirtschaftswunder-Gefährt aus den Anfängen der 50er Jahre durch die Comic-Figur "Werner" später einmal Kultstatus erlangen würde, ahnte er damals noch nicht. Aber was ihm schon klar war: Ich werde einmal Ingenieur! Das wurde er dann auch. An der Fachhochschule Bielefeld studierte er Maschinenbau, und heute leitet der 52-Jährige recht erfolgreich das Netzwerk Energie Impuls OWL, das er selbst initiiert und aufgebaut hat.

»Endlich den ganzen Tag Maschinen!«
»Kind, lerne fleißig, dann hast du es später leichter im Leben«, predigten auch die Eltern Meyer. Der Junge sollte es doch einmal besser haben, und das ginge schlecht im Blaumann, meinten sie. Aber ihr Klaus hatte seinen eigenen Kopf. Während der Schulzeit kümmerte er sich weniger um seine Karriere als vielmehr um seine Mitmenschen. Seine alternative Gesinnung brachte er nicht mit handgestrickten Pullovern oder Jesus-Latschen zum Ausdruck, sondern er setzte auf Taten. Als Kind war er in der CVJM-Jungschar, als Realschüler schloss er sich dem »Arbeitskreis Ausländische Mitbürger« an. Dort engagierte er sich bei der Schularbeiten-Hilfe. Auch in den Ferien tat der Schüler nichts für seine berufliche Zukunft. Jedenfalls nach dem Dafürhalten der Eltern. Er jobbte in einer Möbelfabrik, um sich Werkzeug kaufen zu können. Nicht genug damit, dann wurde er auch noch Vegetarier. Doch auch ohne Sonntagsbraten schaffte er 1974 die Mittlere Reife.

1957 geboren, zählte Meyer zu den geburtenstarken Jahrgängen, war also einer der vielen »Babyboomer«, die nun einen Ausbildungsplatz suchten. Auch mit einer Vier in Mathe erhielt er die erträumte Lehrstelle im Motorenbau. In der Motorenfabrik Herford begann Meyer eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, trug mit Freuden einen Blaumann und jubelte: »Endlich den ganzen Tag Maschinen!« Daneben leitete er Jungschar-Jugendgruppen und -Freizeiten und frönte weiter seiner Leidenschaft Motorrad. Nach der Lehre bewarb er sich für den Entwicklungsdienst, wurde für zu jung befunden, arbeitete dann als Monteur, absolvierte zwischendurch seinen Zivildienst im Kinderheim, und er heiratete.

1983 packte ihn die Unruhe. Meyer wollte mehr über Technik wissen und ging zur Meisterschule nach Bielefeld. Seine Freizeit verbrachte der 26-Jährige mit der amnesty international Gruppe Herford. Inzwischen fuhr er auch Motorradrennen. Mit seiner 1000er Laverda brauste er über den Nürburgring. Als Meister ging er zurück in die Industrie und baute Sondermaschinen, aber so richtig zufrieden war er noch immer nicht. Er hatte Hochschulluft geschnuppert, denn für die Meisterprüfung hatte er viel Zeit in der Bibliothek der FH Bielefeld verbracht. Außerdem hatte er Spaß am Lernen gewonnen. »Ich war wie infiziert«, erzählt Meyer. Er wollte noch tiefer in die Materie einsteigen, absolvierte die Fachoberschule und begann 1987 ein Maschinenbau-Studium mit dem Schwerpunkt Energietechnik an der FH Bielefeld. Damit vollzog sich in seinem Leben eine Wende.

Als Student die regenerativen Energien entdeckt
Nebenbei den Studium gründete Meyer die amnesty-Bundesarbeitsgruppe »Gegen Rüstungsexporte« mit und rief die FH-Projektgruppe »Neue Studieninhalte« ins Leben. Um »Umwelt und friedliche Technik« ging es ihm und seinen Mitstreitern. »Die FH hat uns damals wirklich alle Freiheiten gelassen«, sagt Meyer. 1992 schloss er sein Studium ab, nach vier Jahren, und seine erste Ingenieurstelle führte ihn nach Hannover zur Niedersächsischen Energieagentur.

Meyer kam in ein kleines, schlagkräftiges Team, das unter der Leitung von Stephan Kohler, dem heutigen Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), für die Energiewende arbeitete. In Hannover baute er Projektbereiche wie »Neue Energie-Dienstleistungskonzepte, kommunale Energie-Strategien« und »Industrielle Energieoptimierungen« auf, kümmerte sich um die Konzeption und Umsetzung des Klimaschutzprogramms KLEX für die Expo-Region Hannover als weltweites EXPO-Projekt und trat für Energieeffizienz und erneuerbare Energien ein. In dieser Zeit entdeckte Meyer auch eine weitere Leidenschaft: die Seefahrt und das Segeln. So kreuzte er mit einem Dreimaster nach Island und begann in Lübeck mit der Restaurierung eines Viermasters - zusammen mit dem Polarforscher und Segel-Abenteurer Arved Fuchs.

EXPO vorbereitet, Viermaster restauriert und Energie-Netzwerk gegründet
Seit 1959 lag die »Passat«, das letzte deutsche Großsegelschiff, an der Travemündung. Nachdem das Schwesterschiff »Pamir« 1957 untergegangen war, wurde auch die Viermastbark mit einem Sturmschaden außer Dienst gestellt. Die Stadt Lübeck hatte sie vor dem Abwracken gerettet, es ihr als Museumsschiff einen festen Liegeplatz gegeben. Nun wollten Meyer und Fuchs sie wieder unter Segel setzen. Heiligabend 1911 hatte die »Passat« ihre erste Reise angetreten, und zur EXPO 2000 sollte sie als »Umwelt-Dialog-Schiff« wieder seetüchtig sein. Obwohl schon jahrelange Arbeit und viel Geld darin steckten, scheiterte das Vorhaben am Ende durch einen Beschluss der Stadt Lübeck. Fuchs und Meyer mussten das Vorhaben aufgeben. »In dem Projekt steckte sehr viel Herzblut«, sagt er, aber trotz des Scheiterns sieht er auch die Erfolge und meint: »Es war eine gute Zeit.«

Die EXPO 2000 erlebte Meyer von Ostwestfalen aus. Noch vor dem großen Ereignis zog es ihn zurück in die Heimat: 1997 trat er eine Stelle bei OWL Marketing an und leitete Energie- und Technologieprojekte der EXPO-Initiative OWL, hatte die Leitung für die Projekte »OWL Arena 2000«, »OWL Innovationspreis Marktvisionen« sowie »IdeenReich Wirtschaft OWL« inne und führte diverse OWL-Energieforen durch. Und - einmal wieder nebenbei - beschäftigte er sich mit einem Plan.

Seit Jahren hatte Meyer eine Idee, und er sah die Zeit für ihre Umsetzung gekommen. In dem 2006 verstorbenen FH-Professor Rolf Schwarze, einem überzeugten Kämpfer und Experten für die erneuerbaren Energien, hatte er einen tatkräftigen und kompetenten Partner dafür gefunden. Unter anderem Schwarzes engagiertem Einsatz ist die Gründung des neuen Studiengangs »Regenerative Energien« im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Bielefeld zu verdanken. Gemeinsam gründeten Meyer und Schwarze 2001 das Netzwerk Energie Impuls OWL. Bereits 2002 war der Geschäftsbetrieb des Vereins gesichert: Es gab eine Geschäftsstelle und zwei Angestellte. Heute hat das Netzwerk fünf Beschäftigte und 115 Mitglieder, die nahezu alle wesentlichen Kompetenzfelder abdecken - vom Architektenbüro und Handwerksbetrieb über Industrie-Unternehmen und Stadtwerken bis hin zu Sparkassen und Bildungseinrichtungen. Auch die FH Bielefeld zählt dazu.

Mit Energie Impuls OWL einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten
Basis des Netzwerkes bildeten zunächst die Erfahrungen und Kontakte aus den OWL-EXPO-Projekten, und kräftige Unterstützung gab es unter anderem von den Stadtwerken Bielefeld und Detmold, der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld (WEGE), der PESAG, dem EMR und weiteren Unternehmen. Die Zahl der Vereinsmitglieder wuchs schnell. Ihren Themen sind die Zukunftsenergien, der Klimaschutz, die Bildung und der Transfer. Zusammen fördern sie nun die erneuerbaren Energien und wollen deren Anwendung intensivieren. Sie haben sich die Steigerung der Energieeffizienz zum Ziel gesetzt. Zudem bauen sie Wissens- und Projektnetzwerke für Unternehmen und Institutionen auf. Darüber hinaus engagiert sich der Verein für die Qualifizierung von Fachkräften in diesem Bereich. Mit zahlreichen Initiativen arbeiten sie für eine Energiekompetenzregion OWL. Das offensichtlich mit Erfolg, denn zum fünfjährigen Bestehen des Netzwerkes 2006 kam sogar Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und gratulierte.

Ein großes Gebiet, mit dem sich Energie Impuls OWL verstärkt beschäftigt, ist die Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe. Hierzu hat der Verein bereits einen europäischen Kongress veranstaltet. Aktuell engagiert sich das Energie Impuls OWL-Team für die Initiative Bauen und Modernisieren, baut hier Kompetenzen auf, informiert und organisiert Veranstaltungen. »Auch hier gewinnt die Energieeffizienz zunehmend an Bedeutung«, sagt Meyer. Aber eigentlich sei es ja grundsätzlich und immer wichtig, Ressourcen zu schonen und sorgsam mit Energie umzugehen. Genau das versucht der Verein auch schon den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Eher spielerisch geht er das an, höchst erfolgreich zum Beispiel mit dem Bobby Car Solar Cup, den er jährlich zusammen mit der WEGE durchführt: Schülerteams funktionieren ein Bobby Car zu einem solarbetriebenen Rennflitzer um und treten dann zum Wettrennen an - unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers.

Grönland mit dem Schlauchboot und VDI-Arbeit nun mit Ehrenplakette
Der Name Klaus Meyer steht für ungewöhnliche Aktionen und für Tatendrang. Mit dem Rad durchquerte er Island, erkundete Grönland mit Schlauchboot und Zelt, und er bereiste Norwegen mit Frau, Rad, Zelt und Hundeschlitten. Obligatorisch sind inzwischen auch die Neujahrs-Campingtouren. Der Mann ist einfach immer aktiv. Aber seine ehrenamtlichen Engagements hat er inzwischen dennoch etwas eingeschränkt. »Und wenn, dann haben sie doch fast alle etwas mit Energie Impuls OWL zu tun«, sagt er. So zum Beispiel seine Arbeit beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Hier traf er auch seinen ehemaligen Professor Hörstmeier wieder, im OWL-Regionalvorstand.

Seit 2001 ist Meyer Vorstandsmitglied im VDI OWL. Für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, kümmert er sich unter anderem um das Magazin »vdi spectrum OWL«, um Veranstaltungen sowie um Jugend- und Technik-Projekte. Auch hier betreibt er eine aktive Netzwerkarbeit, wobei ihm die Kontakte durch Energie Impuls OWL sehr hilfreich sind. Seit April 2008 sitzt er dem OWL-Vorstand vor, und im August 2008 erhielt er für seine Verdienste um die Modernisierung des OWL-Netzwerkes die VDI-Ehrenplakette.

So ist aus dem Jungen mit den schrägen Ideen doch noch etwas geworden. Einen Blaumann trägt Meyer mittlerweile nur noch selten, und die Sache mit der Horex hat ihm der Vater schon lange verziehen. »Zum Fahren haben wie die Regina irgendwie nie richtig gebracht«, gibt Meyer zu, »obwohl wir heimliche Unterstützung vom Herforder Physiklehrer Johann Adams erhielten, der damals bei uns im Haus wohnte. Er hat uns mit seiner Art eigentlich so richtig für die Technik begeistert.«

Nachdem Meyer und seine Freunde das Motorrad eine Weile vergeblich bearbeitet und meistens geschoben hatten, geriet es irgendwann in Vergessenheit und landete später wieder beim Schrotthändler. »Schade eigentlich«, bedauert er. »Heute könnte ich sie auch reparieren.« Aber ob er die Zeit dafür hätte? »Da warten ja noch Motorräder in der Scheune. Eine Guzzi, eine 1971er Honda und eine halbe Laverda«, überlegt er laut und kommt dann wieder auf die etwas missglückte Horex-Aktion zurück: »Wie gerne hätte ich damals schon die Grenzen meines ersten technischen Wissens übersprungen. Doch bis zum Ingenieur-Diplom gab es noch viel zu entdecken.« (Text: Sabine Nollmann)