FH Bielefeld
University of
Applied Sciences

Erfolgreiche Karrieren - Christian Gieselmann

Der Meister der Pfandrücknahmeprüfsysteme

An seinen Systemen kommt keiner vorbei. Seit der Ausweitung des Pfandsystems von Mehrweg- auf Einwegflaschen, seit der Verpflichtung des Handels, alle Pfandflaschen - auch die beim Wettbewerber gekauften - zurückzunehmen, floriert das Geschäft Christian Gieselmanns. Der 44jährige Unternehmer, Absolvent des vormaligen Fachbereiches Elektrotechnik der Fachhochschule Bielefeld, hat bewusst die Selbstständigkeit gewählt. Heute leitet er die Insensiv GmbH mit 30 Beschäftigten - ein Drittel von ihnen Ingenieurkräfte aus der Kaderschmiede seiner einstigen Hochschule.

Christian Gieselmann ist hier geboren und verwurzelt. Sein Elterhaus, besser gesagt, sein elterlicher Hof, steht in Bielefeld-Schröttinghausen. "Das ist eine traditionsverhaftete Gegend", sagt der heute 44jährige. Auf dem Lande, zwischen Ackerbau und Viehzucht, ist Freiraum für innovative Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten. Der Elektro- und Wirtschaftsingenieur hat hier bereits einige geniale Einfälle gehabt. Heute führt der FH-Absolvent an der Heidsieker Heide 114, im einzigen Hochhaus Jöllenbecks, ein expandierendes Unternehmen. Seine Spezialisierung auf Bildverarbeitungssysteme für die Industrie - Kameraentwicklungen nach dem Motto "sehen ist gut, erkennen ist besser" - hat ihm internationale Verbindungen beschert.

Firmengründung in der Klausurphase
Der ausgebildete Energiegerätetechniker kommt 1987 über den zweiten Bildungsweg an den Fachbereich Elektrotechnik, weil "Bielefeld damals mit Energietechnik und Informationsverarbeitung einen guten Schwerpunkt bieten konnte." Der 22jährige genießt das Studentenleben, ist politisch aktiv, engagiert sich im Fachbereichsrat und im Fachschaftsrat, sammelt dort Erfahrungen in punkto Selbstständigkeit, Organisation und Konfliktverhalten. Mit den Lehrinhalten zeigt sich Christian Gieselmann zufrieden: "Die FH Bielefeld macht im Elektrotechnik-Bereich eine sehr solide Ausbildung." An das erste Ingenieurstudium schließt er 1992 noch ein Aufbaustudium als Wirtschaftsingenieur an. Noch mitten in den Englisch-Klausuren gründet er 1994 im Elternhaus das Ingenieurbüro Gieselmann und stellt bald darauf den ersten Ingenieur ein.

Sein Weg führt fast zwangsläufig in die Selbstständigkeit. "Nach dem Studium wurde nichts Vernünftiges angeboten, was meinen Fähigkeiten und meinem Ehrgeiz entsprach," lautet die Erklärung von Christian Gieselmann, "mir war ziemlich schnell klar, dass man sich in einem großen Unternehmen nicht so verwirklichen kann wie in einer kleinen Firma." Bestes Beispiel: sein eigener Betrieb. Hier kann sich nicht nur der 44jährige Unternehmer tagtäglich kreativ auslassen, auch für die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt genügend Raum für die Umsetzung neuer Ideen. "Wir sind ein junges Team und sehr kopflastig," sagt Christian Gieselmann, ,,bei uns sind fast nur Ingenieure beschäftigt, zehn kommen von der Bielefelder FH." Gut ausgebildete Fachkräfte garantieren gute Entwicklungen und qualifizierte Produkte - dem ingenieurwissenschaftlichen Fachbereich bleibt er nicht nur durch die Übernahme von Nachwuchskräften, auch durch Projekt- und Abschlussarbeiten verbunden. Praxisbezug wird schließlich großgeschrieben in seinem Betrieb.

Moderner Betrieb auf dem Lande
Schnelligkeit und Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Innovation - das sind mehr denn je wichtige Kriterien gerade für kleine und mittelständische Unternehmen. Christian Gieselmann und seine Mannschaft passen sich immer wieder an. Aus dem einstigen Ingenieurbüro hinter der gepflegten alten Scheunenfassade an der Schröttinghauser Straße wächst die Insensiv GmbH mit heute 400 Quadratmetern Bürofläche und 600 Quadratmetern Produktions- und Entwicklungsfläche. Anfangs verdient er mit Steuerungsanlagen, Schaltschrankbauten, CNC-Technik, Industrierobotern, Fördertechnik oder Sondermaschinen das täglich Brot. Dann folgt das Projekt OASE - für Open Air Security - eine Freilandalarmanlage für Baustellen. Die Entwicklung wird gefördert und zum Patent angemeldet. Die Nachfrage ist gut - bis die starke Billigkonkurrenz aus Fernost auf den Markt kommt.

Die nächste Innovation aus dem Hause Gieselmann lässt nicht lange auf sich warten. Um den Jahrtausendwechsel entwickeln der Ingenieur und sein Team ein Einwegpfandsystem für Dänemark, 2003 werden die ersten Musterteile geliefert. Know-how und Erfahrung, die "hohe Kompetenz auf dem Sektor" bilden den Türöffner zur Deutschen Pfandgesellschaft. 2006 werden hierzulande die ersten Automaten zur Rückgabe von Pfandflaschen aller Art aufgestellt - ausgestattet mit einer Überprüfungseinheit, die aus einer streichholzschachtelgroßen Kameraplatine besteht, auf der die sofortige Auswertung läuft. "Wir sorgen dafür, dass der Endverbraucher sich nicht ärgert und sein Pfand zurückerhält, aber er kennt uns nicht, weil wir als Zulieferer auf dem Sektor der Bildverarbeitung arbeiten", erklärt der Unternehmer, "wir haben Kontakt zu allen Automatenherstellern, für die meisten haben wir spezifische Module entwickelt, jedes Jahr verlassen über tausend Bildverarbeitungssysteme, bestehend aus Kamara, Beleuchtung und spezieller Software unser Haus." Dazu liefert die Insensiv GmbH an 80 Druckereien in Europa die Messsysteme für die Sicherheitsdrucke, die als Pfandlabel auf die Flaschen kommen. Bis in die USA und nach Japan reichen neuerdings die Geschäftsbeziehungen.

"Immer noch viele Ideen"
Auch der Landwirtschaft bleibt Christian Gieselmann verbunden, trotz längerer Entwicklungszeiten von bis zu fünf Jahren. Zum einen ist man mit den hiesigen Testphasen an die wärmeren Jahreszeiten gekoppelt, zum anderen müssen die Bauteile "von Wladiwostok bis Dschidda bei jeder Temperatur, unter jeder Bedingung funktionieren". So setzen viele Landmaschinenhersteller heute speziell für sie in Jöllenbeck kreierte Sensoren ein, die beispielsweise auf dem Feld für eine optimale Streuweite des Düngers oder für die Qualitätsprüfung von Korn sorgen. Eine weitere Gieselmann'sche Entwicklung: ein Eier-Sensor. Er beruht auf der Erkenntnis, dass "jedes Huhn jeden Tag ein Ei legt". Bereits auf dem Förderband werden die transportierten Eier sensorisch geprüft und gezählt - und lassen so frühzeitig Rückschlüsse zu, denn "passt die Leistung, geht's auch den Hühnern gut, das gilt für Käfig- wie für Bodenhaltung". Die eine oder andere Auftragsentwicklung ist mit einer Innovationsmedaille ausgezeichnet.

Mit dem Unternehmen Insensiv scheint eine Nische am Markt gefunden zu sein. Christian Gieselmann macht sich auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten keine Sorgen, seine Geschäftszweige sind zukunftssicher: "Gegessen und getrunken wird immer." Und seine Mannschaft wird immer alle Hände voll zu tun haben, "denn", so Gieselmann, "zum Leidwesen meiner Mitarbeiter habe ich immer noch viele Ideen"...