FH Bielefeld
University of
Applied Sciences
06.06.2019

»Ich weiß noch nicht genau, in welcher Reihenfolge ich meine Ziele erfüllen möchte«

-Interview mit Nicole Radwanski

In der Serie zum Thema »Studium und Arbeit« werden Studierende des Fachbereichs Gestaltung vorgestellt, die von ihren beruflichen Erfahrungen während des Studiums berichten: dieses Mal Nicole Radwanski.

das Foto zeigt Frau Nicole Radwanski

Studieren im kreativen Bereich bedeutet, konzeptionell und theoretisch, aber vor allem auch praktisch und eigenverantwortlich an Projekten zu arbeiten. Manche Studierende sammeln neben dem Studium sogar noch erste Berufserfahrungen. Dabei geht es ihnen in erster Linie nicht darum, den Lebensunterhalt zu sichern, sondern Erfahrungen in der Berufswelt im Gestaltungsbereich zu sammeln.
Nicole Radwanski studiert im 6. Semester am Fachbereich Gestaltung in der Studienrichtung Grafik und Kommunikationsdesign. Vor ihrem Studium absolvierte sie eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin (GTA) am Berufskolleg Senne. Dadurch konnte sich Nicole schon ein kleines Portfolio zusammenstellen und während des 1. und 2. Semesters neben dem Studium erste Erfahrungen als Werkstudentin in einer großen Firma sammeln.

 

Dein erster Job als Grafikdesignerin war direkt in einer größeren Firma. Wie hast du von dieser Stellenausschreibung erfahren?

Wir bekommen regelmäßig Stellenausschreibungen für Praktika oder Jobs als Werkstudenten über den E-Mail-Verteiler der FH Bielefeld. Die Stellenausschreibung kam für mich nicht sofort infrage. Ich musste zuerst für mich abwägen: ist es mir diese Erfahrung wert, die zusätzliche Belastungen des Pendelns zwischen Paderborn und Bielefeld auf mich zu nehmen? Schließlich bewarb ich mich mit meinen Arbeiten aus dem ersten Semester, meiner Abschlussarbeit von der Ausbildung und einigen Fotografien, die ich in meiner Freizeit gemacht habe, um diese große Chance zu nutzen.

 

Nachdem du das Bewerbungsgespräch erfolgreich bestanden hattest und der erste Arbeitstag bevor stand mit welchen Erwartungen bist in deine neue Arbeit gestartet?

Man zweifelt anfangs schon an seinen eigenen Fähigkeiten – und ob man schon gut genug ist, um irgendwo zu arbeiten, obwohl man noch studiert. Umso mehr machte es mich stolz, dass ich mit meinem bisherigen Portfolio als Werkstudentin ausgewählt worden war. Die ersten Tage in der Firma waren für mich natürlich total neu und auch sehr aufregend. Diese Aufregung verflog aber sehr schnell, da ich merkte, dass die Leute im Gestaltungsbereich viel lockerer sind als in anderen Bereichen. Ich arbeitete während meiner Zeit als Werkstudentin beispielsweise in einem Großraumbüro mit drei Abteilungen. In der einen Abteilung waren Leute für den Messeaufbau zuständig. Dann gab es noch eine Marketingabteilung und die Grafikabteilung. Aufgrund der verschiedenen Kleidungsstile konnte man schon gut erkennen, wer aus welcher Abteilung stammte. Die Grafiker waren alle eher leger gekleidet, während die Marketingabteilung meist in Anzügen und vornehmer Kleidung am Arbeitsplatz anzutreffen waren. Auch ich habe mich, was die Kleidung angeht, zwischenzeitlich angepasst. Einerseits fühlte ich mich wohl, andererseits wollte ich auch bleiben, wer ich bin. Deswegen empfehle ich jeder und jedem, sich bei Bewerbungsgesprächen nicht zu verkleiden. Und noch viel wichtiger ist es, sich einen potenziellen Arbeitgeber zu suchen, zu dem man selbst passt und mit dem man sich identifizieren kann und deshalb nicht verstellen muss.

 

Und was waren so deine Aufgabenbereiche in der Firma?

Ich konnte in verschiedenen Aufgabenbereichen arbeiten. Unter anderem gestaltete ich Menükarten für interne, internationale Geschäftsmeetings der Firma. Ich habe also die Menükarten der jeweiligen Restaurants angepasst und im Design der Firma umgesetzt. Diese Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es war auf jeden Fall auch eine Aufgabe, die auch von der Geschäftsleitung gesehen wurde. Ich fühlte mich irgendwie geehrt dies machen zu dürfen.
Zu den alltäglicheren Aufgaben zählte zum Beispiel das Gestalten von Datenblättern. In diesen Blättern werden die Produkte vorgestellt, die die Firma verkauft. Das Produkt wird darin visualisiert und beschrieben. Obwohl alles ähnlich aufgebaut ist, müssen Farben angepasst werden. Und jedes Produkt hat natürlich auch unterschiedlich viele beschreibende Bilder und Texte, so dass jedes Datenblatt einzeln gestaltet werden muss und nicht ein Muster auf alle anderen Seiten anwendbar ist.
Eine besondere Aufgabe war eine Wandgestaltung in Form eines riesigen Zeitstrahls über die Geschichte der Firma. Diese Arbeit fand ich auch sehr interessant, da ich mal etwas anderes als die alltägliche Arbeit in der Grafik machen konnte und diese Wandgestaltung am Ende auch im Gebäude der Firma zu sehen war.

 

War deine Arbeit mit dem Studium gut zu vereinbaren oder hattest du Schwierigkeiten damit, deine Projekte zu bearbeiten und Prüfungstermine einzuhalten?

In den ersten drei Monaten habe ich in der Firma 20 Stunden in der Woche gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt waren noch Semesterferien, so dass ich schon einige Stunden vorarbeiten konnte und während des Studiums dann nur noch freitags gearbeitet habe. Die Stunden, die ich in dieser Zeit weniger in der Firma war, konnte ich dann in den nächsten Semesterferien wieder aufholen, so dass ich dann täglich, in Vollzeit und am Stück gearbeitet habe. Letztendlich war ich aber erleichtert, dass mein Vertrag nach neun Monaten ausgelaufen ist und nicht verlängert wurde, da es für mich durch das Pendeln und den ständigen Wechsel doch ein wenig schwierig war, das Studium mit dem Job zu vereinbaren. Eine Vertragsverlängerung kam nicht zustande, da die Abteilung geschlossen wurde, und am Ende kaum noch Aufgaben für mich übrig waren.

 

Was machst du derzeit? Wo siehst du dich aber in Zukunft?

Was meinen derzeitigen Job angeht, so arbeite ich in einer Tanzschule unter anderem als Frontdeskhero (Empfang) und als Reinigungskraft, kümmere mich aber auch um anfallende Print- und Onlinemedien wie Plakate oder Blogbeiträge.
Was meine spätere berufliche Tätigkeit angeht, so bin ich mir noch nicht zu einhundert Prozent sicher, was ich im Anschluss an mein Studium im Grafikbereich machen möchte. Ein Praktikum in einer angesagten Agentur würde mir beispielsweise sehr zusagen, könnte mir dies aber auch schon während des Studiums vorstellen. Diesbezüglich muss ich mich noch genauer informieren. Auch eine Selbstständigkeit würde mich sehr interessieren, allerdings erst, wenn ich genügend Erfahrung in verschiedenen Agenturen gesammelt habe. Auch ein Masterstudium käme für mich in Frage. Ich weiß also noch nicht genau, in welcher Reihenfolge ich meine Ziele erfüllen möchte und ob das alles so funktionieren wird, wie ich mir das wünsche.

 

Was steht als nächstes an?

Dieses Jahr möchte ich auf jeden Fall noch in Bielefeld wohnen bleiben und die Zeit nutzen, um vielleicht nochmal als Werkstudentin während des Studiums zu arbeiten oder Erfahrung durch ein Praktikum zu sammeln. Im Anschluss möchte ich zu meinen Eltern zurückziehen, um mir alle Möglichkeiten offen halten zu können und ich nicht von einer eigenen Wohnung abhängig zu sein. Ich bin also einem Praktikum in einer anderen Stadt oder einem anderen Land nicht abgeneigt und lasse mir daher auch Zeit mit meinem Studium, um alle Möglichkeiten zu nutzen.

 

Über Nicole Radwanski: Nicole Radwanski ist 27Jahre alt und studiert seit dem Wintersemester 2016 am Fachbereich Gestaltung in der Studienrichtung Grafik und Kommunikationsdesign. Vor dem Studium absolvierte sie eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin (GTA).


Über die Autorin:

Adolina Hormann studiert Grafik und Kommunikationsdesign am Fachbereich Gestaltung im sechsten Semester. Ihre eigenen Berufserfahrungen brachten sie auf die Idee, Interviews mit anderen Studierenden des Fachbereichs zum Thema Studium und Arbeit zu führen.